DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

10-02-2019 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 10.02.2019 um 10.30 UTC



Milde Hochdruckwetterlage ohne signifikante Wettergefahren, aber mit
Grenzschichtproblematik.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 17.02.2019


Zu Beginn des Mittelfristzeitraums am kommenden Mittwoch hat sich dem aktuellen
Lauf des IFS von 00 UTC zufolge vom Nordwestafrika und der Iberischen Halbinsel
ausgehend ein mächtiger bis nach Skandinavien reichender Höhenrücken
aufgespannt, der das Wetter über Mitteleuropa in der gesamten Mittelfrist
dominiert und es nach diesem stürmischen Wochenende in ruhigere Bahnen lenkt.
Die starke Blockadewirkung im Rahmen einer Omega-Wetterlage und den Aufbau eines
abgeschlossenen Höhenhochs über Mitteleuropa hält bei einer in den negativen
Bereich rutschenden NAO die Langwellentröge auf dem Nordatlantik in ihrer
Progression wirkungsvoll zurück.

Am Boden wird durch den Höhenrücken ein Hoch mit Zentrum über Mitteleuropa
(meist sogar über Deutschland) gestützt. Aufgrund der Position des Hochs gelangt
bei teils südlicher bis südwestlicher Strömung mildere Luft nach Deutschland,
sodass die T850 hPa von anfangs -1 bis 3 Grad bis auf 5 bis 8 Grad am Sonntag
steigen.

Aufgrund der sich einstellenden Hochdruckwetterlage tritt die
Grenzschichtproblematik mit Nebel und Hochnebel in den Vordergrund. Die
Luftmasse ist bei einer relativen Feuchtigkeit von 5 bis 50 % in 700 hPa
allerdings eher trocken, sodass sicherlich auch der Sonnenschein seinen Anteil
abbekommen wird. Insbesondere bei längerem Sonnenschein sind vornehmlich in der
Westhälfte zweistellige Höchsttemperaturen denkbar, in den Nächten ist bei
klarem Himmel gebietsweise leichter, am Alpenrand über noch vorhandenem Schnee
örtlich sogar mäßiger Frost zu erwarten.

In der erweiterten Mittelfrist ab Montag wird durch einen Kaltluftvorstoß über
Grönland in den Nordostatlantik der dort liegende Langwellentrog gestärkt und in
Bewegung Richtung Europa gebracht. Folglich muss der über Mitteleuropa liegende
Höhenkeil allmählich unter Abflachung nach Osten zurückweichen. Von Westen her
zonalisiert die Strömung dadurch und auch die Frontalzone erreicht uns.
Ausläufer eines Tiefs bei Island sollten demnach spätestens ab Dienstag wieder
einen wechselhafteren Witterungsabschnitt einleiten, zudem würde kühlere
Meeresluft mit T850 hPa unter 0 Grad von Nordwesten her nach Deutschland
einfließen. __________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des heutigen IFS-Laufs von 0 UTC mit den beiden gestrigen
Vorläufen ist bis zum Freitag sehr hoch. Am Wochenende nimmt die Konsistenz ein
wenig ab, was sich vor allem auf den über Osteuropa nach Süden abtropfenden
Langwellentrog bezieht. Zum einen ist dieser Vorgang nun schneller, zum anderen
wird das abtropfende Höhentief durch den noch stärker gerechneten Höhenkeil über
Mitteleuropa weiter nach Süden hin in das zentrale Mittelmeer abgedrängt, sodass
wir kaum noch in den Randbereich des Höhentiefs kommen. Für die Prognose ergeben
sich aber so oder so keine nennenswerte Unterschiede.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Der Vergleich mit ICON und GFS fördert kaum andere Ergebnisse zutage, als es das
EZMW liefert. Selbst in der erweiterten Mittelfrist besteht zwischen EZMW und
GFS Einigkeit in Sachen Übergreifen des Troges vom Atlantik her. Auch in der
übrigen Modellwelt finden sich keine größeren Abweichungen von der EZMW-Lösung.
Allenfalls beim NAVGEM fällt auf, dass das am Wochenende abtropfende Höhentief
östlich von uns etwas näher nach Mitteleuropa simuliert wird, ähnlich der
gestrigen EZMW-Lösungen. Die Wahrscheinlichkeit dafür hat mit den heutigen
Ergebnissen aber deutlich abgenommen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte des EZMW-Ensembles sind bei T850 hPa
und beim Geopot 500 hPa alle eng gebündelt, was den deterministischen Hauptlauf
klar bestätigt. Ab etwa Freitag fallen ein paar wenige negative Ausreißer auf,
die der Höhentiefannäherung des abtropfenden Langwellentrogs über Osteuropa noch
eine letzte Chance einräumen. Niederschlagsignale findet man bis zum Montag fast
gar nicht.

Bei der Clusteranalyse zwischen Donnerstag und Samstag liegen 6 Cluster vor, die
aber alle vom Typ "Blockierung" sind. Und nur C6 mit gerade einmal 4 Mitgliedern
zeigt einen etwas näher nach Mitteleuropa gerichteten Höhentrog über dem
zentralen Mittelmeer. Die anderen Lösungen weichen über Mitteleuropa kaum
voneinander ab.

Zwischen Sonntag und Dienstag werden 5 Cluster gerechnet, wobei 3 die
fortwährende Blockierung mit weiterhin Hochdruckeinfluss über Mitteleuropa im
Programm haben und 2 den Übergang zu einer positiven NAO mit Trogannäherung. Die
drei Cluster mit der Blockierung kommen insgesamt auf 37 Mitgliedern, die mit
der positiven entsprechend nur auf 14. Das Ensemble bestätigt also ab Sonntag
nicht mehr den deterministischen Lauf.

Fazit: Der Hochdruckeinfluss samt Grenzschichtproblematik (Nebel/Hochnebel) bis
zum Wochenende ist bei ausbleibenden Niederschlägen und einer Milderung in
"trockenen Tüchern". Ob es ab Montag/Dienstag weiterhin noch trocken bleibt, ist
fraglich. Die verschiedenen Modellergebnisse enden quasi im Patt. Insofern
bleibt abzuwarten, was die nächsten Modellläufe bringen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Wie bei Hochdruckwetterlagen üblich lassen sich keine markanten
Wettererscheinungen in den Vorhersagen finden.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-ENS. In der erweiterten Mittelfrist eher EZMW-Det., da ein
Übergang zu wieder leicht wechselhafterem Wetter trotz gegenteiliger
Ensembleergebnisse als etwas wahrscheinlicher erachtet wird.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler