DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

11-10-2018 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 11.10.2018 um 10.30 UTC



Ab Montag Abkühlung und zunehmender Tiefdruckeinfluss, dabei aber meist nur
leichte Regenfälle.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 18.10.2018


Zu Beginn des Mittelfristzeitraums am kommenden Sonntag zeigt der aktuelle
EZMW-Lauf von 00 UTC noch die seit Längerem vorhandene Blockierungssituation
über weiten Teilen Europas in Form einer Omegalage. So wird ein opulenter
Rücken, der sich von Südosteuropa bis in die Barentssee aufwölbt, von zwei
Langwellentrögen flankiert. Der östliche Trog hat bereits Sibirien und das
Kaspische Meer erreicht, der westliche dagegen liegt über den Britischen Inseln
und der Biskaya. Der ganze Höhenkomplex bewegt sich langsam progressiv, sodass
der westliche Trog allmählich auf Mitteleuropa zusteuert. Am Boden spiegelt sich
diese Situation mit einem kräftigen Hoch mit Zentrum über der Ukraine und einem
Tiefdrucksystem mit mehreren Zentren über dem Nordostatlantik wieder. Relevant
für Deutschland ist dabei ein Tief mit Zentrum mittags über der nördlichen
Nordsee, dessen Kaltfront von Nordwesten her allmählich auf den europäischen
Kontinent übergreift und Deutschland in den Abendstunden mit etwas Regen (1 bis
9 mm in 12 Stunden) und möglicherweise anfangs einzelnen leichten Gewittern
erreicht.

Am Montag verlagert sich der westliche Trog unter Verkürzung seiner Wellenlänge
auf eine Linie Nordmeer - Benelux weiter. Das zugehörige Bodentief zieht von der
Nordsee nach Nordnorwegen weiter. Die Kaltfront legt sich in
Südwest-Nordostausrichtung diagonal über Deutschland, wobei sie von dem
osteuropäischen Hoch und der daraus resultierenden frontensenkrechten Komponente
ausgebremst und durch das Absinken des Hochs auch frontolytisch wird. So kommt
der Regen im Südosten zunächst noch gar nicht an, während sonst vielerorts
immerhin leichter Regen (1 bis 5 mm) zu verzeichnen sein wird. Im Südosten
finden sich zudem noch Reste der warmen bis sehr warmen Luft mit T850 hPa von 10
bis 15 Grad. In den übrigen Landesteilen sickert postfrontal frische Meeresluft
mit T850 hPa von 1 bis 5 Grad ein.

Am Dienstag zieht der Trog unter weiterer Verkürzung seiner Wellenlänge und
Abflachung bereits nach Osten ab, sodass er Platz macht für einen flachen
Rücken. Nordwestlich der Britischen Inseln formiert sich aber auch schon ein
weiterer Höhentrog. Er korrespondiert mit einem Bodentief mit Kern südlich von
Island. Ausläufer des Tiefs dringen im Tagesverlauf in den Nordwesten von
Deutschland vor. Zudem liegen im Südosten noch Reste der sich auflösenden
Kaltfront. So befindet sich Deutschland im "Sandwich": Fronten über dem Südosten
und Nordwesten und leichter Zwischenhocheinfluss in einem Streifen dazwischen.

Am Mittwoch verbleiben wir auf der Vorderseite des neuen Trogs in einer
südwestlichen Strömung. Das Bodentief südlich von Island zieht ins Nordmeer
weiter, die zugehörige Kaltfront kommt bis in die Mitte Deutschlands voran. Auch
sie läuft gegen den Hochdruckblock in Südosteuropa an, sodass sie sich ebenfalls
abschwächt. Postfrontal gelangt neuerlich ein Schwall frischer Meeresluft zu uns
(T850 hPa weiterhin bei 1 bis 5 Grad).

Am Donnerstag wird der Trog unter Verkürzung seiner Wellenlänge von Süden her
abgehobelt, wobei er sich über Nordwestdeutschland und Ostfrankreich einfindet.
Die noch über dem Südosten liegende Kaltfront allerdings wird durch die
Trogannäherung aktiviert und dringt wieder nach Norden vor, auch eine schwache
Wellenformierung wird angedeutet. Ob damit größere Regenfälle verbunden sind,
bleibt abzuwarten.

In der erweiterten Mittelfrist ab Freitag dominiert zyklonal geprägtes Wetter
mit wiederholten Frontdurchgängen und ähnlichen Temperaturen wie an den
Vortagen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Im Prinzip kann dem aktuellen EZWM-Lauf vom heutigen Donnerstag 00 UTC eine hohe
Konsistenz insbesondere zum gestrigen 00 UTC-Lauf bescheinigt werden. Zum
gestrigen 12 UTC-Lauf besteht zwar auch eine gute Konsistenz, der neue
Trogvorstoß ab Mittwoch wurde im alten 12 UTC-Lauf allerdings progressiver
behandelt, sodass dieser bereits ab Mittwoch mit kürzerer Amplitude, aber
größerer Wellenlänge auf Deutschland übergegriffen hätte bzw. über Deutschland
hinweg geschwenkt wäre. Allzu groß sind die Auswirkungen auf das Wettergeschehen
dadurch jedoch nicht. In der erweiterten Mittelfrist würde dem 12 UTC-Lauf
zufolge nach Abzug des Mittwochtrogs zum Wochenende hin ein weiterer
Langwellentrog folgen, der dann auch Deutschland erreicht. Im aktuellen Lauf
befinden sich dann aber noch Reste des Mittwochstrogs über Deutschland, der die
im Süden liegende Kaltfront aktiviert. Nach der Variante des gestrigen 00
UTC-Laufs würden wir am Wochenende noch auf der Vorderseite des vom 12 UTC-Lauf
gezeigten Trogs in einer südwestlichen Strömung bleiben. Konsequenzen ergeben
sich daraus vor allem in den Niederschlagsverteilungen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


ICON und GFS sind dem EZMW zunächst ähnlich. Ab Mittwoch fallen analog zu den
obigen Konsistenzbetrachtungen Phasenunterschiede beim neuen Trog auf. GFS ist
dabei am schnellsten, ICON dem gestrigen 12 UTC-Lauf des EZMW sehr nahe. EZWM
hängt um etwa 24 Stunden hinter dem ICON hinterher, welches wiederum etwa 6
Stunden langsamer als GFS ist. In der erweiterten Mittelfrist ab Freitag zeigt
GFS zudem einen sich über der Nordsee aufwölbenden kräftigen Rücken, der ein
Bodenhoch über Polen stützt. Damit würde bei uns der Hochdruckeinfluss
zurückkehren, während EZMW eine zyklonalere Variante fährt. GEM stellt eine Art
"Mittelding" zwischen dem EZMW und dem ICON dar, sodass der Trog am Mittwoch nur
etwa 12 Stunden phasenverschoben zum EZMW ist. NAVGEM trifft relativ gut die
Linie vom ICON. FIM wiederum ist dem EZMW am nächsten, allerdings wird der Trog
am Mittwoch mit größerer Amplitude und Wellenlänge prognostiziert.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte des EZMW-Ensembles bestätigen den vom
Hauptlauf gefundenen Temperaturrückgang ab Montag im Wesentlichen, allerdings
öffnet sich der Spread ab diesen Tag zumeist deutlich. Beim Geopotenzial nimmt
der Spread erst ab Mittwoch zu, was aber gut zu den Konsistenz- und
Modellvergleichsbetrachtungen bezüglich des Trogs ab Mittwoch passt.
Niederschlagssignale sind ab Montag immer wieder vorhanden, zum Wochenende hin
gibt es auch größere Peaks, die auf die Wellenbildung an der Südspitze des Trogs
zurückzuführen sind.

Bei den Clusteranalysen sind für Dienstag bis Donnerstag 4 Cluster vorhanden. In
C1, C2 und C3 ist über Mitteleuropa der Hauptlauf wiederzuerkennen. C4 lässt den
Trog ab Mittwoch sogar noch weiter zurückhängen.

Für Freitag bis Sonntag wurden 5 Cluster berechnet. Dabei fällt die teilweise
sehr unterschiedliche Behandlung des Mittwoch-Troges auf. Insbesondere in der
Intensität bestehen größere Differenzen, wobei es sowohl Varianten mit einem
sehr umfangreichen Trog (C2, C4), als auch Varianten mit nur einem schwachen
Trog (C1, C5) gibt. Alle ziehen aber im Wochenendverlauf aber über uns hinweg.

FAZIT: Das Ende des warmen und spätsommerlichen Hochruckwetters zum Montag hin
ist ziemlich sicher. Die mit der Kaltfront verbundenen Niederschläge halten sich
vermutlich (leider) in Grenzen. Am Mittwoch erreicht uns nach kurzem
Zwischenhocheinfluss eine weitere Kaltfront mit weiteren meist nur leichten
Niederschlägen und Nachschub an frischer Meeresluft. Ab dann wird das Prozedere
unsicher, da der nachrückende Trog ab Mittwoch die Modelle und Ensembles
offenbar vor Probleme stellt. Eine gewisse Neigung zu zyklonalem Geschehen ist
jedoch zu erkennen, darüber hinaus scheint keine Erwärmung anzustehen. Zum
Wochenende hin besteht die "Chance" auf größere Niederschläge im Rahmen einer
Wellenbildung über Südwestdeutschland. Die Unsicherheiten dafür sind aber groß,
sodass eine belastbare Vorhersage aus heutiger Sicht noch nicht möglich ist.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Sonntag gibt es von EFI Signale für leichten Föhn in den Alpen sowie für
überdurchschnittlich hohe Temperaturen in weiten Teilen Deutschlands.

Ab Dienstag sind nach COSMO-LEPS an der Nordsee einzelne stürmische Böen Bft 8
wahrscheinlich.
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Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-MOS, EZMW-EPS. Im Wochenverlauf tendenziell MOSMIX, da die Prognose
von EZMW sehr unsicher wird und bisher noch eher einen Ausreißer darstellt.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler