DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

14-09-2018 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 14.09.2018 um 10.30 UTC



Oft sonniges Spätsommerwetter. An den Alpen einzelne Wärmegewitter.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 21.09.2018


Zu Beginn der neuen Woche und somit dem Beginn der Mittelfrist befindet sich
Deutschland unter einem breiten, aber zunächst noch flachen Höhenrücken, der ein
Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über dem Südosten Europas stützt. Dabei gelangt
mit einer südwestlichen bis westlichen Strömung warme bis sehr warme Luft nach
Deutschland. Somit sind bei viel Sonnenschein vor allem in der Mitte und im
Süden verbreitet sommerlich warme Höchstwerte zu erwarten. Etwas kühler und
wolkiger bleibt es nur im äußersten Norden aufgrund der Nähe zur Frontalzone,
die von der Ostsee über Dänemark und die mittlere Nordsee verläuft. Aufgrund des
dominierenden Hochdruckeinflusses sind im Norden aber keine oder zumindest keine
nennenswerten Niederschläge zu erwarten.

Am Dienstag mischt sich schließlich der ehemalige Tropensturm HELENE in das
europäische Wettergeschehen ein. Sie soll bereits Dienstagvormittag relativ
rasch über die Britischen Inseln hinweg Richtung Nordeuropa ziehen. Ihr Einfluss
auf unser Wetter äußert sich vor allem dahingehend, dass auf ihrer Vorderseite
kräftige WLA für ein Aufwölben des Höhenrückens sorgt, in dessen Einflussbereich
wir weiterhin verbleiben. Mit der aufsteilenden südwestlichen Strömung gelangt
nochmals wärmere Luft zu uns, wobei die Temperatur in 850 hPa verbreitet auf 13
bis 16 Grad ansteigt, im Südwesten sogar örtlich bis nahe 17 Grad. Somit sind
bei reichlich Sonnenschein gebietsweise nochmal Höchstwerte um oder knapp über
30 Grad zu erwarten. Einzig unmittelbar an den Alpen können sich Schauer oder
Gewitter entwickeln.

Bis einschließlich Donnerstag bleibt uns das ruhige Spätsommerwetter weitgehend
erhalten. Durch eine Austrogung über dem Nordostatlantik kann sich der weite
Teile Europas überdeckende Höhenrücken weiter kräftigen, wobei dessen Achse
allmählich ostwärts wandert. Die leicht wellende Kaltfront von EX-HELENE bzw.
dem Tief, in dessen Zirkulation EX-HELENE aufgenommen wurde, greift zwar auf den
Westen und Norden Deutschlands über, aufgrund des weiter dominierenden
Hochdruckeinflusses äußert sich das aber vor allem in Form von etwas mehr
Bewölkung. Niederschläge sind kaum zu erwarten. Nur an den Alpen und im
Schwarzwald besteht die Gefahr für einzelne Wärmegewitter.

Am Freitag gelangen wir zunehmend auf die Vorderseite des Höhentroges. Dabei
greift von Westen eine Tiefdruckrinne auf Deutschland über, in die das
Frontensystem eines Tiefs über dem Nordmeer eingelagert ist. Dadurch sind in der
Westhälfte einzelne Schauer und mitunter Gewitter zu erwarten. In der
erweiterten Mittelfrist tropft allerdings der Höhentrog Richtung Iberische
Halbinsel ab, sodass der Hochdruckeinfluss erneut zunimmt und somit alle
Hoffnungen auf flächigere Niederschläge erneut in weite Ferne rücken.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des EZMW-Modells kann im mittelfristigen Vorhersagezeitraum für
Mitteleuropa als sehr gut bezeichnet werden. Einzig bei der Vorhersage der
Zugbahn des ehemaligen Tropensturms HELENE zeigen sich zwischen den jüngsten
Läufen des EZMW-Modells größere Sprünge. So soll EX-HELENE nach dem heutigen 00
UTC Lauf deutlich schneller über die Britischen Inseln hinweg Richtung
Nordeuropa ziehen als in den gestrigen Läufen. Ihr Einfluss auf das Wetter in
Mitteleuropa bleibt aber, abgesehen von einer vorübergehenden leichten
Windzunahme im Nordseeumfeld, konsistent gering in Bezug auf signifikante
Wetterereignisse.

Gegen Ende der Mittelfrist am Freitag lässt die Konsistenz etwas nach. Eine von
Westen übergreifende Tiefdruckrinne ist etwas stärker ausgeprägt als in den
Vorläufen, sodass es in der Westhälfte erste Schauer, mitunter auch Gewitter
geben kann. Flächendeckende Niederschläge sind aber weiterhin nicht zu erwarten.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die Zugbahn von EX-HELENE wird zwar von den betrachteten Globalmodellen noch
unterschiedlich vorhergesagt, insbesondere die Verlagerungsgeschwindigkeit.
Keines der Modelle deutet aber daraufhin, dass EX-HELENE einen signifikanten
Einfluss auf das Wetter in Deutschland hat. Für Mitteleuropa betrachtet ergeben
sich zwar leichte Unterschiede im Strömungsmuster, eine grundlegende Änderung
des Wettercharakters ergibt sich dadurch aber nicht.
Nennenswerte Unterschiede gibt es ab Donnerstag. So kommen Höhentrog und
Tiefdruckrinne nach GFS schneller ostwärts voran als bei EZMW und ICON, sodass
bei GFS bereits in der Nacht zum Freitag vor allem im Westen und Norden
Niederschlagssignale auftauchen. Allen Modellen ist aber gemeinsam, dass die
Niederschläge nur vereinzelt und überwiegend schwach ausfallen und auch
nachfolgend der Hochdruckeinfluss wieder zunimmt.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahne für Offenbach besitzt über nahezu den gesamten Vorhersagezeitraum
sowohl für das Geopotential in 500 hPa als auch für die Temperatur in 850 hPa
einen sehr geringen Spread. Während das Geopotential etwa auf gleichem Niveau
verbleibt, ist im Temperaturverlauf ein deutlicher Anstieg zu erkennen, der in
einem Maximum am Dienstag mündet und bis einschließlich Donnerstag auf relativ
hohem Niveau verbleibt. Ab Freitag nimmt der Spread zu, wobei einige Lösungen
auf einen kühleren und wechselhafteren Witterungscharakter hindeuten. Die
Mehrheit der Member zeigt aber eine Fortsetzung des sommerlich warmen und durch
Hochdruck dominierten Wetters.

Die Clusterung des EZMW zeigt für den Zeitraum von t+72 bis 96 h und t+120 bis
168 h jeweils sechs Cluster. Auch dort zeigen sich die unterschiedlichen
Vorhersagen für die Zugbahn bzw. -geschwindigkeit von EX-HELENE. Für
Mitteleuropa ergeben sich aber keine signifikanten Unterschiede. Ab Donnerstag
zeigt sich in den Clustern eine unterschiedliche Ausprägung des Höhenrückens
bzw. des Höhentroges vor Westeuropa. Haupt- und Kontrolllauf befinden sich in
Cluster 2, das die zweithöchste Anzahl an Membern aufweist. Die meisten Member
besitzt Cluster 1, das den Trog etwas weiter nach Westeuropa vorrücken lässt.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Ab Dienstag sind am Alpenrand und im Schwarzwald einzelne Wärmegewitter in
Verbindung mit markantem Starkregen und kleinkörnigem Hagel nicht
ausgeschlossen. Am Freitag gibt es auch im Westen eine geringe
Wahrscheinlichkeit für Gewitter.

Mit Passage von EX-HELENE nimmt der Druckgradient über der Nordsee zu. Das
Sturmfeld von EX-HELENE verbleibt aber über der Nordsee. Allenfalls auf den
Nordfriesischen Inseln können einzelne Windböen Bft 7 aus Südwest bis Süd
auftreten. Die Wahrscheinlichkeiten hierfür liegen bei EZMW-EPS und COSMO-Leps
aber unter 10 Prozent.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Johanna Anger