DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

10-08-2018 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 10.08.2018 um 10.30 UTC



Leicht wechselhaft, dabei anfangs noch mal heiß, später sommerlich warm.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 17.08.2018


Zu Beginn der kommenden Woche beginnt aus heutiger Sicht auch der mittelfristige
Prognosezeitraum und er beginnt - ja, nicht wundern - heiß! Bleiben wir nach der
gestrigen Kaltfrontpassage mit anschließendem Luftmassenwechsel jetzt mal für
zwei bis drei Tage unterhalb der 30°C-Marke (gilt genau genommen nur für den
heutigen Freitag und Samstag, am Sonntag wird sie in der Südhälfte zumindest
lokal schon wieder knapp geknackt), so stehen am Montag vielerorts um oder etwas
über 30°C auf der Karte. Besonders im Osten bollert es noch mal ganz ordentlich,
allerdings, das sei allen, die es nicht so mit der Hitze haben, schon mal
verraten, nur für einen Tag - zumindest zunächst mal.

Die Ausgangslage zeigt Deutschland am Montag vorderseitig eines relativ
scharfen, mit reichlich Krümmungsvorticity ausgestatteten Kurzwellentrogs, der
in den frühen Morgenstunden über UK startet und am Ende des Tages mit seiner
Achse bereits den äußersten Westen des Vorhersageraums erreicht.
Korrespondierend dazu verlagert sich ein flaches Tief (etwas unter 1005 hPa) von
England zur Nordsee. Zunächst befinden wir uns noch im breit aufgespannten
Warmsektor des Tiefs, in dem sich inzwischen eine stattliche Portion
mediterraner Subtropikluft angesammelt hat. In 850 hPa wabert die 10°C-Isotherme
im Küstenraum herum, im Süden sind es bis zu 18°C, später an den Alpen mit
leicht föhniger Unterstützung sogar bis zu 20°C.
Während sich die Warmfront im Tagesverlauf aus dem äußersten Norden nordostwärts
verabschiedet, nähert sich in gleichem Atemzug von Westen her die in den
numerischen Feldern (z.B. pseudopotenzielle Temperatur, relative Feuchte) nur
mittelprächtig abgebildete Kaltfront. Sie greift noch vor dem Mittagessen auf
die westlichen Landesteile über, um von dort weiter nach Osten zu schwenken.
Dahinter strömt ein Schwall deutlich erwärmter Meereskaltluft vom Atlantik ein,
in der die 850-hPa-Temperatur bis Dienstagfrüh auf knapp unter 10°C sinkt.
Einzig im äußersten Osten sowie südlich der Donau (dort hängt die Front etwas
nach) halten sich noch Reste der Subtropikluft.
Mit bzw. vor der Kaltfront kommt es zu schauerartig verstärkten Regenfällen und
Gewittern, die sich ebenfalls ostwärts ausbreiten. In wie weit und ob überhaupt
sich dabei eine mögliche Unwetterlage einstellt, lässt sich heute noch nicht
befriedigend beantworten. Die dynamischen Rahmenbedingungen (Kaltfront,
nachfolgender Trog) sind nicht die schlechtesten, dafür könnte es bei der
Luftmassenqualität hapern. Zwar ist die Subtropikluft heiß, es könnte aber an
ausreichend Feuchte ergo CAPE mangeln, um das ganz große, breitgestreute
Feuerwerk abzufackeln - Abwarten und auf die Lösungen hochauflösender Modelle
hoffen heißt hier die Devise.

Am Dienstag jedenfalls folgt der Höhentrog etwas zaudernd der Kaltfront nach,
während das Bodentief Jütland und Schleswig-Holstein in Richtung Ostsee
überquert. Insbesondere in der Nordhälfte stellt sich wechselhaftes, teils
windiges Schauerwetter ein, bei dem auch ein paar kurze Gewitter mit am Start
sein können. An den Alpen könnte es zunächst noch für einige Stunden regnen, da
sich die Front im Hochgebirge schwer tut, dieses zu überqueren und
möglicherweise gut mit der Vorderseite der nur langsam ostwärts vorankommenden
südlichen Trogspitze interagiert.

Am Mittwoch verlässt der Höhentrog endgültig deutsches Hoheitsgebiet, wobei sich
über der Adria eine Abtropfung abzeichnet. Rückseitig steigen Luftdruck und
Potenzial etwas an, was sich in einem flachen Höhenrücken bzw. einem Keil des
Azorenhochs widerspiegelt. Das resultierende Absinken sorgt für eine allmähliche
Erwärmung der unteren Troposphäre, bis zum Abend steigt die 850-hPa-Temperatur
auf 10 bis 13°C.
Noch wärmer (um 15°C), da advektiv verstärkt, wird es am Donnerstag, wenn es
über UK/Irland bzw. dem nahen Ostatlantik erneut austrogt. Vorderseitig dreht
die Strömung gesamttroposphärisch auf Süd bis Südwest, wobei tagsüber noch
antizyklonaler Einfluss überwiegt. Spätestens in der Nacht zum Freitag erreicht
dann die Kaltfront einer von der Nordsee bis zum Nordmeer reichenden
Tiefdruckzone den Westen und Nordwesten des Landes.

Die erweiterte Mittelfrist ab Freitag bringt zunächst den Durchgang der
Kaltfront nebst nachfolgendem Trog, bevor sich vorübergehend das Muster einer
antizyklonalen Westlage (Wa) einstellen soll.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Vergleicht man den heutigen 00-UTC-Lauf von IFS (ECMF) mit seinem unmittelbaren
Vorgänger von gestern 12 UTC, so stellt man unweigerlich fest, dass sich die
beiden gut verstehen. Oder anders ausgedrückt, die Basisfelder weisen einen
hohen Korrelationsfaktor auf, die Konsistenz ist gut.
Nicht so positiv hingegen gestaltet sich der Vergleich mit dem 00-UTC-Lauf von
Donnerstag, dem aber schon gestern der Status eines Außenseiters anheftete.
Casus knacksus ist und bleibt der Höhentrog nebst vorgeschalteter Kaltfront, die
Deutschland am Montag und Dienstag ostwärts überqueren sollen. Wurde diese
Passage gestern (00 UTC) noch extrem schleppend und schleifend simuliert, hat
das Ganze mittlerweile deutlich an Fahrt aufgenommen.
Da letztlich gestern schon eine gegenüber dem Hauptlauf schnellere Passage der
Kaltfront und des Troges der Prognose zugrunde gelegt wurde, muss heute gar
nicht mal so viel am Vorhersagekonzept geändert werden.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die etablierten Globalmodelle sind hinsichtlich der mittelfristigen Entwicklung
ziemlich einer Meinung. Zwar wird der Trog (Geometrie, Phasengeschwindigkeit)
noch immer mit gewissen Unschärfen simuliert, für die mittelfristige Zeitskala
ist das aber völlig in Ordnung. ICON nimmt (auch beim Übergreifen der
Kaltfront) heute den langsamsten Part ein, während z.B. GFS den Trog recht flach
und entsprechend progressiv sieht.
Interessant noch folgender Aspekt: Während wie gesagt IFS im Laufe der
erweiterten Mittelfrist auf Wa (West antizyklonal) setzt, favorisieren die
beiden "Nordamerikaner" den GWL-Typus BM (Brücke Mitteleuropa)

FAZIT: Auf Basis der deterministischen Produkte ist die Prognosesicherheit
gegenüber gestern definitiv besser geworden.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen bis nächsten
Donnerstag einen relativ gutmütigen Verlauf mit nur ganz wenigen Abweichlern und
einem nur langsam anwachsenden Spread. Alle wesentlichen Eckpunkte der oben
beschriebenen Entwicklung lassen sich in den Ensembles widerfinden. Erst ab
Freitag wird das Delta der Kurvenverläufe spürbar größer, wobei aber die
Mehrzahl der Lösungen ein relativ hohes Geopotenzial hält (spricht für die
Lösung der "Nordamerikaner"). Dagegen lässt sich bei T850 keine wirkliche
Trendaussage machen. Auffallend ist, dass der Hauptlauf mit seiner Trog- und
Kaltfrontpassage am kommenden Freitag ganz unten in den Kurvenscharen rumturnt
(also scharfer Trog, markante Abkühlung).
Die GFS-EPS-Rauchfahnen weichen nicht wesentlich von ihren "IFS-Kollegen" ab.
Thema Cluster: Sowohl für T+72...96h (Montag bis Dienstag) als auch T+120...168h
(Mittwoch bis Freitag) offerierte IFS-EPS jeweils fünf Cluster, die sich aber
nicht substanziell voneinander unterscheiden. Anfangs sind es minimale
Timingunterschiede beim Trog, später kleine Unschärfen bei der sich neu
einstellenden Trog-Keil-Struktur (gemeint sind der Trog über UK/naher
Ostatlantik bzw. der Rücken über Mitteleuropa).
Fünf Cluster stehen auch von Samstag bis Montag (T+192...240h) auf der Karte, die
entweder Richtung Wa (also der IFS-Lösung) oder Richtung BM (also der
GFS/GEM-Lösung) tendieren.

FAZIT: Die Ensembles stützen im Großen und Ganzen das von der Deterministik
vorgeschlagene Szenario.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am interessantesten dürften mittelfristig der Montag und Dienstag werden, wenn
eine Kaltfront und nachfolgend ein kurzwelliger Höhentrog über Deutschland
ostwärts ziehen. Da sich im Vorfeld sehr warme bis heiße Subtropikluft
breitmacht, ist mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Gewitterlage zu
rechnen. Wie letztlich das "Mehr" ausfällt und wo das "Weniger" auftritt, kann
Stand heute nicht befriedigend beantwortet werden. Es sind aber durchaus
organisierte konvektive Strukturen bis in den Unwetterbereich denkbar.
Postfrontal sind dann am Dienstag auch noch Gewitter möglich (vor allem in der
Nordhälfte), die aber Rückseitencharakter haben. Trotzdem können sie im
Einzelfall kräftig ausfallen, weil die postfrontal einfließende Meeresluft nicht
zuletzt aufgrund der hohen Wassertemperaturen der umliegenden Meeresgebiete
recht energiereich ist.
Eine ganz geringe Wahrscheinlichkeit liegt für markanten Dauerregen am Alpenrand
vor (Nacht zum und am Dienstag), zumindest punktuell.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modellmix.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann