DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

11-07-2018 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 11.07.2018 um 10.30 UTC



Hochsommerlich warm, zunächst nur im Süden einzelne Schauer und Gewitter, zur
neuen Woche auch von Osten übergreifend
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 18.07.2018


Am kommenden Wochenende - dem Beginn der Mittelfrist - sind in der Höhe noch
immer Reste der Troglage aus dem Kurzfristzeitraum über Deutschland vorhanden,
die allmählich "zugeschüttet" werden. Über Irland erfolgt unterdessen der Aufbau
eines Rückens, der ein Bodenhoch über der Nordsee stützt. Die WLA an dessen
Westflanke ist allerdings nicht sonderlich nachhaltig, weshalb das Hoch zu
gewissen Anteilen auch kompensatorische Faktoren als Entstehungsursache hat. Mit
der resultierenden bodennahen, nordwestlichen Grundströmung gelangt angenehm
temperierte (T850 HPa um 10 Grad) und stabil geschichtete Nordseeluft bis zu den
Mittelgebirgen. Dabei soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass dies mit
dem ein oder anderen ausgedehnten Sc-Feld einhergehen sollte. Unterhalb der
Absinkinversion sind Wolkenuntergrenzen um 1500 Meter realistisch, ebenso wie
das allmähliche "Zerbröseln" mit dem starken Tagesgang Mitte Juli.
Südlich von Main und Mosel bleibt die Luftmasse noch leicht instabil
geschichtet, so dass vor allem orographisch induziert am Nachmittag einzelne
Schauer und Gewitter entstehen. Aufgrund der langsamen
Verlagerungsgeschwindigkeit der Zellen ist bevorzugt mit Starkregen zu rechnen,
der aber in der Regel keine Unwetterkriterien erreichen sollte. Dafür gibt
sowohl die Luftmasse mit niederschlagbaren Wassergehalten unter 30 mm als auch
die dynamische Hebung zu wenig her. Als weitere Begleiterscheinungen - aber nur
in vereinzelter Form - treten kleinkörniger Hagel und Sturmböen auf.

Zu Beginn der neuen Woche bleibt das Zirkulationsmuster über Mitteleuropa
weiterhin stark gestört. Der Rücken über den Britischen Inseln verlagert sich
als abgeschlossenes Höhenhoch nach Skandinavien, wodurch die weite räumliche
Trennung von Polarjet (Norwegische See) und Subtropenjet (zonal über dem
Mittelmeer) bestehen bleibt. Über Deutschland ergibt sich damit eine
gradientschwache, leicht zyklonal geprägte Konfiguration in der mittleren
Troposphäre. Am Boden herrscht konsequenterweise ebenfalls eine flache
Druckverteilung vor, im Großen und Ganzen bleibt aber zwischen dem relativen
Druckmaximum über der Nordsee und dem osteuropäischen Tief eine schwache
nördliche Strömung erhalten.
Während in Süddeutschland weiterhin mit lokal mit Schauern und Gewittern
gerechnet werden muss, herrscht im Rest des Landes heiteres Sommerwetter (T 850
hPa zwischen 10 und 15 Grad - daher nur punktuell um oder knapp über 30 Grad),
wobei der Blick nach aktueller Lage der Dinge sich zunehmend auf den Osten
richtet. So zeichnet sich spätestens zum Dienstag hin ab, dass ein Randtrog
(untere Troposphäre) von Polen auf den Osten mit schauerartigen und teils
gewittrigen Regenfällen übergreift und in der erweiterten Mittelfrist weiter
Raum nach Westen gewinnt. Generell gestaltet sich die Großwetterlage im
beschriebenen Zeitraum allerdings zu "sumpfig", um da noch ins Detail zu gehen.

__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis zum Beginn der kommenden Woche ist die Konsistenz sehr gut. Dann ergeben
sich doch signifikante Unterschiede. So wurde im gestrigen 00z Lauf für den
kommenden Dienstag ein Höhenrücken ausgehend von Südfrankreich bis zum Baltikum
simuliert, in dem sich die 15 Grad-Isotherme bis zur Ems vorgearbeitet hätte.
Ein flacher Kurzwellentrog über Belgien hätte zudem über Westdeutschland einiges
an Gewittern erwarten lassen.
Die letzten beiden Läufe zeigen diesen Rücken nun deutlich flacher über
Norditalien flankiert von einem Kurzwellentrog über Südwestfrankreich und einem
abgeschlossenen Höhentief über Osteuropa. Demnach "droht" nach neusten
Erkenntnissen die Gefahr in Form von Schauern und Gewittern eher von Osten und
heiße Temperaturen bleiben auf den Südwesten beschränkt.
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die schwachgradientige Großwetterlage mit leicht zyklonal geprägter
Höhenströmung und nördlichen Bodenwinden wird von den anderen Globalmodellen
ähnlich simuliert. Unterschiede in der Berechnung der konvektiven
Niederschlagsschwerpunkte liegen dabei in der Natur der Sache. Am zyklonalsten -
mit der Ausweitung der Niederschläge auf ganz Deutschland schon zum Dienstag -
ist ICON aufgestellt.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Insgesamt deckt sich die EPS-Verteilung mit dem operationellen Lauf. So sind
große Bereiche der Rauchfahnen von 850 hPa Temperatur und Geopotential gut
gebündelt mit gleichgearteten, eingebetteten Haupt- und Kontrolllauf. Die
Temperaturen sind dabei auf einem konstant sommerlichen Niveau zwischen 10 und
15 Grad in rund 1,5 km Höhe und das Geopotential geht mit Beginn der kommenden
Woche leicht zurück, weshalb das Niederschlagsminimum deutschlandweit betrachtet
am Wochenende zu finden ist.

Interessantes zeigt sich bei genauerem Hinsehen im Temperaturverlauf über der
Norddeutschen Tiefebene am Wochenende. Dort sackt sie beispielsweise in Hamburg
und Hannover am Samstag (Greifswald und Berlin am Sonntag im EPS) vorübergehend
um 5K auf teilweise 6 Grad ab, was wohl noch kleineren Höhentiefresten in der
unteren Troposphäre geschuldet ist. Auch wenn die Luftmasse inzwischen zu stabil
erscheint, um noch nennenswerte Schauer zu produzieren, so sind zumindest
Sommertage (Tmax über 25 Grad) am Wochenende im Norden und Nordosten selbst im
Falle voller Einstrahlung noch nicht zu erwarten. GFS hat beschriebenes
Verhalten zumindest leicht abgeschwächt auch im Programm.

Die Clusterung liefert keine zusätzlichen Erkenntnisse.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


GEWITTER:
Da wie bereits weiter oben erwähnt sowohl die Eigenschaften der Luftmasse als
auch die dynamischen Hebungsantriebe limitiert sind, ist eine großräumige
Unwetterlage nicht zu erwarten. Entsprechend dürftig fallen die Signale in den
Produkten von EFI CapeShear und 90%-Perzentilen der 24 Stunden Niederschläge
(Cosmo-Leps, EZ-EPS) aus, die keine signifikanten Wahrscheinlichkeiten abbilden.

Gleichwohl sind schwerpunktmäßig vor allem über den Bergen im Süden
(Schwarzwald, Allgäu, Alpen, Schwäbische Alb, Bayerwald) am Wochenende lokal
kräftige Gewitter mit Starkregen, vereinzelt auch mit kleinkörnigem Hagel und
Sturmböen zu erwarten. In der kommenden Woche steigt die Gewitterneigung auch
von Osten wieder deutlich an.
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
EZ, EZ-EPS, Mos-Mix
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen