DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

13-06-2018 11:00
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 13.06.2018 um 10.30 UTC



Am Wochenende teils unwetterartige Gewitter, danach wechselhaft und mäßig warm.

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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 20.06.2018


Am kommenden Samstag, zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums, haben
wir es mit einer strammen westlichen Strömung von Neufundland bis zu den
Britischen Inseln zu tun, über denen es zu einer Austrogung eines veritablen
Randtroges kommt. Dem steht ein markanter Höhenkeil über Osteuropa und Russland
gegenüber. Über Deutschland befindet sich eine Tiefdruckrinne, die sich von
Westen her allmählich mit feuchtwarmer und labil geschichteter Luft anfüllt. Im
Westen muss daher im Tagesverlauf mit ersten, teils kräftigen Schauern und
Gewittern gerechnet werden, während der Osten noch von dem antizyklonalen
Einfluss des Hochs über Russland profitiert und es dort voraussichtlich noch
trocken bleibt.

Im Laufe der Nacht zum Sonntag nähert sich allmählich der markante Höhentrog
bzw. das Höhentief über Benelux dem Westen Deutschlands an, damit einhergehend
intensiviert sich die Tiefdruckrinne und es bildet sich voraussichtlich ein
abgeschlossenes Bodentief im Lauf des Sonntags bei Dänemark. Ein dazugehöriges
Frontensystem greift gelichzeitig von Westen auf Deutschland über. In dessen
Vorfeld lagert nach Osten hin eine feucht-warme Luftmasse, so dass am warmen
Rand der Niederschläge vor allem nach Südosten und Osten im Verlauf des
Sonntages zunehmend konvektive Umlagerungen in Form von Schauern und Gewitter
bzw. schauerartig verstärktem Regen auftreten können. Insbesondere in der
Osthälfte dauert die Gewittertätigkeit wohl auch bis in die Nacht zum Montag,
unwetterartige Entwicklungen insbesondere in Bezug auf Starkregen sind zu
erwarten.

Am Montag überqueren uns der Höhentrog sowie Bodenfront rasch ostwärts. Sie
erreichen bis zum Abend den Osten Polens. In der Südwesthälfte macht sich im
Tagesverlauf schon der Einfluss des Azorenhochs bemerkbar, das einen Keil über
Frankreich bis nach Süddeutschland vorschiebt, während der Nordwesten des Landes
schon wieder von einem weiteren von Westen her folgenden Randtrog erfasst wird.
Dabei strömt insgesamt von Westen her nur noch mäßig warme Atlantiklift nach
Deutschland ein, so dass die Temperaturen, die bei Werten um 7 Grad in 850 hPa
liegen, niedriger sein werden als an den Vortagen. Im Südosten und Osten haben
wir es anfangs noch mit teils gewittrigen Regenfällen zu tun, während es im
Westen weitegehend trocken bleibt. Erst zum Abend muss man im Nordwesten dann
aber wieder mit neuen Schauern infolge des neu heranziehenden Randtroges
rechnen.

Ab Dienstag und Mittwoch stellt sich eine antizyklonal geprägte Westlage ein. Im
Norden macht sich der Einfluss von durchschwenkenden Fronten in Verbindung mit
recht kühler Meeresluft bemerkbar, im Süden sorgt ein nach Süddeutschland
gerichteter Azorenhochkeil in Verbindung mit mäßig warmer Meeresluft für recht
freundliches und noch meist trockenes Wetter.

Allerdings wird in der erweiterten Mittelfrist auch der Süden von
durchschwenkenden Fronten erfasst, da sich die Strömung über Deutschland
allmählich auf Nordwest dreht.


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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des IFS ist aktuell nicht ganz so gut, denn ab kommenden Sonntag
stellt sich nach dem neuesten operationellen Lauf des IFS voraussichtlich eine
antizyklonal geprägte Westlage ein, was nach den letzten Läufen wieder ein
Umschwenken auf eine modifizierte Version bedeuten würde, da diese zuvor auf
eine längere Andauer einer Tiefdruckrinne bzw. eines schwachen Trog über
Mitteleuropa ausgegangen sind. Bis einschließlich Samstag stimmt der aktuelle
Lauf aber gut mit denen seiner Vorgänger ein.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch die anderen Globalen Modelle schwanken ab Sonntag in der Behandlung des von
den Britischen Inseln herannahenden Troges, GFS lässt diesen über
Westdeutschland und Ostfrankreich nach Süden ins Mittelmeer abtropfen. GEM
verhält sich ähnlich wie der aktuelle Lauf des IFS, während ICON ein Szenario
zwischen den zwei Extremen simuliert. Von daher scheint eine Prognose im
mittelfristigen Zeitraum angelehnt an die Ergebnisse von MOS-MIX als die beste
Prognosevariante.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahne für Offenbach zeigt bis einschließlich Samstag eine recht gute
Bündelung hinsichtlich Temperatur und Geopotential mit recht hohem Geopotenzial
und wieder ansteigendem Temperaturniveau. Ab Sonntag nimmt die Streuung deutlich
zu. Dabei zeigen auch Haupt- und Kontrolllauf teils deutlich abweichende
Lösungen. Insgesamt zeigt sich aber eine Phase tieferen Geopotenzial (Trog,
Bodentiefrinne) und nachfolgend wieder ansteigendem Geopotential.
Die Clusteranalyse des EZMW-EPS liefert für den ersten Vorhersagezeitraum von
Samstag und Sonntag (+72 bis +96 h) 1 Cluster.
Im Folgezeitraum von Montag bis Mittwoch (+120 bis + 168 h) werden 3 Cluster mit
21, 18 bzw. 12 Mitgliedern angeboten. Der Hauptlauf wird hierbei in Cluster 3
und der kontrolllauf ebenfalls in Cluster 2 eingeordnet. Die drei Cluster
unterscheiden sich leicht im Verhalten des markanten Troges bzw. der
Tiefdruckrinne. Insgesamt verlaufen die ersten beiden Cluster für Mitteleuropa
stärker antizyklonal geprägt als Cluster 3. Fazit: Die grobe Richtung scheint
relativ klar, aber wie markant der Trog und die damit verbundenen
Wettererscheinungen in Deutschland werden, muss sich noch zeigen.
Von Donnesrtag bis Samstag (+192 bis +240 h), also im erweiterten
Mittelfristzeitraum, werden dann wieder 2 Cluster mit 30 bzw. 21 Membern
angeboten. Cluster 2 setzt dabei auf hohes Geopotential über West- und
Mitteleuropa (Hochdruckbrücke Mitteleuropa) in Cluster 1 ist dagegen ein Trog
bzw. Tief über Mitteleuropa dominant.


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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Samstag im Westen, insbesondere über dem Bergland örtlich Gewitter mit der
Gefahr von Starkregen, Hagel und Sturmböen. Lokal Unwetter nicht ausgeschlossen.
Sonntag und bis in die Nacht zum Montag hinein vermehrt markante, teils
unwetterartige Gewitter, insbesondere in der Ost-/Südosthälfte. Hierbei sowohl
durch EZMWF-Hauptlauf als auch durch das EPS Signale für mehr als 25 l/qm
(unwetterartiger Starkregen) bzw. in der Nacht zum Montag im Südosten auch
Signale für mehrstündigen Starkregen. Am Montag im äußersten Osten bzw. ganz im
Westen weitere markante Gewitter nicht ausgeschlossen, insgesamt aber deutlich
geringere Gewittergefahr.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, ECMWF, ECMWF-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer