DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T 
ausgegeben am Samstag, den 31.07.2010 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen: 
In der Nacht nur vereinzelte Gewitter (Norden/Westen).
Am Sonntag im Frontbereich einzelne Gewitter, später im Südwesten teils kräftige 
Regengüsse und Gewitter möglich.
Auch am Montag Schauer und Gewitter, im Osten anfangs gebietsweise ergiebig.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC
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Aktuell ... Die großräumige Wetterlage weist - bezogen auf Deutschland - aktuell eine 
Zweiteilung auf. Während der Süden und Osten sowie Teile der Mitte im Bereich einer 
Hochdruckbrücke liegen (sie verbindet das nordwärts verschobene Azorenhoch mit einem 
schwach ausgeprägten osteuropäischen Hoch), die von einem südostwärts schwenkenden 
Höhenrücken gestützt wird, gelangen Teile Nord- und Westdeutschlands zunehmend in den 
Wirkungsradius zyklonaler Strukturen über Westeuropa. Konkret handelt es sich dabei um 
einen Höhentrog, der um 12 UTC über UK lag, und das korrespondierende Bodentief mit Kern 
knapp nördlich von Schottland. In seiner Peripherie ist der Wind heute an der 
Nordseeküste aus Südwesten aufgefrischt, so dass eine kleine Warnung herausgegeben 
werden musste. Die aktuellen Drucktendenzen sowie die numerischen Prognosen zeigen aber 
an, dass der Gradient nun auffächert, so dass die Warnungen nicht verlängert werden 
mussten. 
In den Fokus rückt nun mehr und mehr das zu dem Tief gehörende und zusehends 
okkludierende Frontensystem, dessen Wolkenfelder bereits den Norden und Westen erreicht 
haben, ohne dabei aber all zu markante Wettererscheinungen zu erzeugen. Diese 
beschränken sich derzeit auf schauerartige Regenfälle meist geringer und nicht 
warnwürdiger Intensität. Mangels substanzieller frontsenkrechter Komponente - das Tief 
dreht im weiteren Verlauf nach Norden Richtung Norwegische See ein - kommt das 
Frontensystem nur schleppend ost-südostwärts voran, wobei nun auch noch ein um 15 UTC 
analysiertes Teiltief an der Kaltfront über Ostengland als "Bremse" hinzukommt. 
Gleichwohl kommen die konvektiv durchsetzten Niederschläge in der kommenden 
Nacht nach Osten voran. Interessant dabei die Tatsache, dass sich die Numerik auch im 
aktuellen Lauf immer noch nicht einig darüber ist, inwieweit Gewitter das ganze 
Geschehen begleiten. Nach Lesart von COSMO-DE (Basis 12 UTC) werden große Teile von 
Norddeutschland davon erfasst, nach COSMO-EU in der zweiten Nachthälfte nur die Deutsche 
Bucht (diabatischer Effekt durch die "warme" Nordsee ?) sowie das nördliche SH. Die 
globalen Modelle GME und GFS sehen in ihrer Wetterinterpretation keine Gewitter, wobei 
man sich aber immer wieder vor Augen führen muss, dass der Wetterdarstellung der Modelle 
unterschiedliche und vor allem subjektiv gefärbte Eingangsalgorithmen zugrunde liegen. 
Die synoptischen Rahmenbedingungen jedenfalls deuten in der Nacht nicht gerade auf eine 
überregionale Gewitterlage hin, wie sie von C-DE propagiert wird. Gerade dieses Modell 
neigt erfahrungsgemäß aber zu Übertreibungen bei der Gewitterinterpretation. 
Schlussendlich bleibt ohnehin nichts anderes übrig, als die Entwicklung genau zu 
beobachten und ggf. kurzfristig zu handeln. Immerhin sind über Ostfrankreich schon 
vereinzelte Blitze aufgetaucht    

Sonntag ... Während der östliche Teil des o.e. Höhentrogs zusehends abflacht und als 
restlicher Kurzwellentrog nordwärts Richtung Skandinavien schwenkt, regeneriert sich der 
LW-Trog in seinem Westteil. Vorderseitig steilt die Strömung dadurch etwas auf, was der 
Frontverlagerung nicht sonderlich zuträglich ist. Diese kommt schleifend nur wenig 
landeinwärts voran, so dass auf Basis von GME um 12 UTC lediglich der Nordwesten auf der 
kühleren Rückseite liegt. Allerdings ist festzuhalten, dass die Baroklinität an der 
Front nicht besonders ausgeprägt ist. So findet präfrontal weder eine markante 
Überhitzung statt noch fällt die postfrontale Abkühlung besonders markant aus, eine 
Tatsache, die dazu führt, dass eine diabatisch induzierte Frontogenese weitgehend 
ausbleibt. Die genannten Faktoren führen offensichtlich dazu, dass die Numerik tagsüber 
summa summarum nur relativ verhalten konvektive Prozesse simuliert, vornehmlich im 
Bereich der Frontalzone. Präfrontal tut sich zunächst nach den Prognosen zunächst sehr 
wenig, weil offensichtlich die auslösenden Momente fehlen. Zwar findet man bei GME einen 
Ansatz einer Bodenrinne auf der warmen Seite der Front, eine wirkliche Konfluenzzone 
stellt diese aber nicht dar, auch wenn es in der etwas geschönten TKB 12+24h so 
aussieht. Bei anderen Modellen findet man auch nicht das typische Muster sommerlicher 
Frontpassagen, was auf die limitierten thermischen Gegensätze zurückzuführen ist. Ein 
weiterer Impulsgeber möglicher konvektiver Umlagerungen stellt der Tagesgang bzw. das 
Erreichen der Auslösetemperatur dar. Diese liegt um 12 UTC im Osten und Süden um 30°C, 
einem Wert, der schwer zu erreichen sein dürfte. Gleichwohl kann natürlich nicht 
ausgeschlossen werden, dass es auch abgesetzt von der Front im Tagesverlauf zu einzelnen 
Überentwicklungen kommt, eine überregionale Gewitterlage deutet sich aber nicht an.
Interessant wird die Angelegenheit dann ab den Abendstunden, besonders aber in der Nacht 
zum Montag. Vorderseitig des sich bis zur Biscaya ausweitenden Höhentrogs kommt es über 
Frankreich zu leichtem Druckfall, der in eine Welle mündet, die besonders von COSMO-EU 
prognostisch gut aufgelöst wird. Diese Welle läuft an der Frontalzone nordostwärts und 
erfasst mit dem entsprechenden Hebungsgebiet zunächst den Südwesten des Vorhersageraums. 
Dabei soll es laut C-EU, aber auch nach GME gebietsweise zu ergiebigen und mit Gewittern 
durchsetzten Regenfällen kommen, die sich bis zum Morgen auf Teile der Mitte ausdehnen.   

Montag ... Die angesprochene Welle zieht relativ zügig nordostwärts in Richtung Ostsee, 
wobei vor allem Sachsen, aber auch Teile Nordbayerns, Thüringens und Brandenburgs von 
den starken gewittrigen Regenfällen erfasst werden sollen. Nach Abzug der Welle dreht 
die Bodenströmung auf West bis Nordwest, wodurch die Kaltfront einen deutlichen "Satz" 
nach Osten macht. Dabei werden besonders im Süden weitere Gewitter ausgelöst, die 
aufgrund der Beschleunigung der Front auch mit stärkerem Wind einhergehen können. Mit 
de rückseitigen KLA nimmt das Potenzial in der mittleren und höheren Troposphäre ab, so 
dass sich der Höhentrog von Westeuropa zum westlichen Mitteleuropa verlagert. Am Boden 
hingegen etabliert sich eine leicht antizyklonale Kontur in Form eines Hochkeils, der 
ausgehend vom kräftigen Hoch über dem Ostatlantik bis nach Mitteleuropa gerichtet ist. 
Dieser Hochkeil sorgt allerdings nur kurzzeitig für eine Wetterberuhigung, die sich am 
stärksten unmittelbar nach Frontpassage auswirkt. Mit Annäherung des Höhentrogs incl. 
höhenkalter Luft kommt es von Westen zur Labilisierung der Schichtung mit nachfolgenden 
Schauern und Gewittern, deren Intensität sich maximal im markanten Warnbereich abspielen 
sollte.   

Dienstag ... Der Höhentrog verlagert sich ein Stück nach Osten, wodurch sich auch der 
Schwerpunkt konvektiver Prozesse etwas ostwärts verschiebt. Zwar deutet sich in den 
westlichen Landesteilen eine leichte Stabilisierung der Schichtung an, trotzdem kann es 
auch dort noch zur Auslösung von Schauern, weniger von Gewittern kommen. Insgesamt 
stellt sich in Deutschland eine wechselhafte Troglage mit Höchsttemperaturen um oder 
etwas über 20°C ein. 


Modellvergleich und -einschätzung   
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Auf die Unterschiede der Modelle im Kurzfristbereich (vor allem kommende Nacht) wurde 
oben bereits hingewiesen. 
Unterschiedlich gehandhabt wird nach wie vor die Wellen-Entwicklung ab Sonntagabend. Sie 
wird am markantesten von der deutschen Modellkette simuliert, während GFS die Welle 
nicht so deutlich abbildet und den RR-Schwerpunkt eher im Bereich 
Westschweiz/französisches Jura sieht. Ähnlich sieht es bei UKMO-Finemesh aus, das bis 
Montag 00 UTC 6-stündig Starkregen-Signale in der gleichen Region aufbietet. Leider 
liegt von diesem Modell noch nicht der Zeitraum zwischen 00 und 06 UTC vor. Es bleibt 
also abzuwarten, was die nächsten Modellläufe im Angebot haben, sicher ist das oben 
geschilderte Szenario mitnichten.

   


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

 

Quelle: DWD
Wetterzentrale | Top Karten